Die “Alleanza Nazionale” (AN), Partei der italienischen Neofaschisten und momentan zweitgrößte Regierungspartei Italiens, hat sich auf ihrem letzten Parteitag am 21./22. März 2009 in Rom aufgelöst. Zusammen mit Berlusconis rechtspopulistischer “Forza Italia” soll die rechte Einheitspartei “Popolo della Liberà” (PDL, Volk der Freiheit) am nächsten Wochenende ebenfalls in Rom gegründet werden. Bereits im April 2008 hatten beide Rechtsparteien als Bündnis unter gleichem Namen die Parlamentswahlen in Italien gewonnen.
«Wir werden nicht verschwinden», erklärte Parteipräsident und Verteidigungsminister Ignazio La Russa am Samstag vor den über 1800 Delegierten, die sich zum letzten Mal unter dem aus dem Faschismus stammenden Symbol der «Fiamma Tricolore» (einer Flamme in den italienischen Nationalfarben) in Rom versammelt hatten. Er betonte die Wichtigkeit, der Gründung einer neuen «Partei der Italiener» und die zukünftige Bedeutung ANs, als «rechter Flügel der neuen PDL rechte Werte weiter zu pflegen».
(Welt Online, 22.03.2009)
“Alleanza Nazionale gibt es nicht mehr. Die Partei, die vor 14 Jahren gegründet wurde, gehört der Vergangenheit an. Künftig wird sie ein Teil des Volkes der Freiheit sein und so auch in die Europäische Volkspartei eintreten. Dabei sind ihre faschistischen Wurzeln noch immer klar erkennbar. So wurde am vergangenen Wochenende in Rom den 1800 Delegierten eine DVD über den Urvater der Partei, Giorgio Almirante, ausgehändigt.
Almirante war Faschist, kämpfte in der Republik von Salò an der Seite der deutschen Nazis gegen Alliierte und Partisanen und gründete nach dem Krieg die Partei Movimento Sociale Italiano (Soziale Bewegung Italiens) deren Abkürzung MSI aber auch »Mussolini Immortale Sempre« (Mussolini für immer unsterblich) gelesen werden kann. Nach Almirante war Gianfranco Fini Vorsitzender der MSI – heute ist er Vorsitzender der italienischen Abgeordnetenkammer und »dritter Mann« im Staat.
Lange Zeit fristeten die Neo- beziehungsweise Postfaschisten in Italien ein Dasein als »Schmuddelkinder« der Politik, und das, bis Silvio Berlusconi die Partei als »demokratische Rechte nach europäischem Vorbild« betitelte und mit in sein Boot zog.
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Manchen Delegierten geht der Sprung in die Einheitspartei zu schnell, ist der rechte Populismus und Pragmatismus von Forza Italia eher fremd. Man hat Angst, Werte aufgeben zu müssen, die erst die MSI und dann AN charakterisierten: Der Mythos vom Vaterland aber auch die »nationalsozialistische« Form von sozialer Gerechtigkeit; das Heldentum des »wahren Mannes« und die Gottesfürchtigkeit, aber auch die Abscheu gegenüber »verweichlichten Reichen« und mafiösen Strukturen.
Immer wieder haben sich die wichtigsten Führungspersönlichkeiten von AN – angefangen mit dem Koordinator der Partei und heutigem Verteidigungsminister Ignazio La Russa – bemüht, den Kameraden diese Angst zu nehmen und die Vorteile der neuen Situation schmackhaft zu machen. Endlich wird man auch in der Welt als vollberechtigter Teil der konservativen Familie anerkannt werden, endlich verliert man das ungute Image der Postfaschisten, das Gianfranco Fini in seiner Zeit als Außenminister Italiens doch hin und wieder zu spüren bekam.”
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(Anna Maldini, Rom, 23.03.2009 in ND “Forza Italia fusioniert mit Neofaschisten“)
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